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StadtformRepublik
HauptstadtLima
Amtsprachen   Spanisch, Quechua, Aymara
Fläche1.285.220 km²
Einwohner28.302.604 (Mai 2006)
WährungNeuer Sol (Nuevo Sol)
ZeitzoneUTC-5
Nationalhymne       Somos libres, seámoslo siempre
Kfz-KennzeichenPE
Internet-TLD.pe
Vorwahl+51
9.2 Kunst 9.3 Literatur 9.4 Musik 9.5 Film 9.6 Medien 9.7 Sport 9.8 Kulinarisches 9.9 Feiertage 10 Feiertage

1 Geographie

1.1 Lage

Peru grenzt im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien, im Südosten an Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifik.
 

1.2 Landschaftszonen

  • Costa (Küste) – ca. 11 % der Staatsfläche
  • Sierra (Anden, Hochland) – ca. 15 %
  • Selva (Regenwald) und Montaña (Nebelwald) – ca. 64 %
Costa
 
Die Costa steht unter dem Einfluss des Humboldtstroms und ist weitgehend eine Küstenwüste, in der nur entlang der aus den Anden kommenden Flüsse, in Flussoasen, Landwirtschaft möglich ist.
 
Im Süden Perus, an der Grenze zu Chile, beginnt die trockenste Wüste der Erde, die Atacama-Wüste. Im südlichen Bereich der Costa bis zur Hauptstadt Lima, welche ungefähr auf der Hälfte des Küstenstreifens liegt, sind Regenfälle während des Jahres extrem selten.
 
Nördlich von Lima nehmen Bodenqualität und Regenfall etwas zu, so dass hier auch Landwirtschaft außerhalb der Flussoasen möglich ist. Die Temperaturen schwanken zwischen 12 °C im Winter und 35 °C im Sommer.
 
Größere Städte an der Küste nebst Lima sind (eine Auswahl, von Norden nach Süden): Tumbes, Sullana, Piura, Chiclayo, Trujillo, Chimbote, Huaral, Pisco, Ica, Nazca.
 
Sierra
 
Hinter der schmalen Küstenregion beginnt die Sierra. Sie besteht aus mehreren Bergzügen der Anden, die von Längstälern (span. callejón oder valle) unterbrochen werden. Typisch für die gesamte Andenregion sind dazu tief eingeschnittene Täler (Canyons) und Durchbrüche der Gebirgsketten (span. Pongo) durch große Flüsse, an der West- und Ostseite der Kordillere.
 
Einen typischen Querschnitt der Anden zeigt sich in der zentralen Region Ancash: Von West nach Ost sind das die „Schwarzen Kordilleren“ (Cordillera Negra, bis ca. 5.000 m), gefolgt vom Callejón de Huaylas (um 3.000 m). Der nächste Bergzug sind die "Weißen Kordilleren" (Cordillera Blanca), hier befindet sich der höchste Berg Perus, der Huascarán (6.768 m). Weiter Richtung Osten erstreckt sich das Callejón de Conchucos (mit dem Fluss Marañón, einem Quellfluss des Amazonas), abgelöst von weiteren Bergketten.
 
Die höchsten Berge sind Nevado Huascarán (6.768 m), Yerupaja (6.634 m), Coropuna (6.425 m), Ampato (6.310 m), Chachani (6.075 m) und Volcán Misti (5.822 m).
 
Während im Norden des Landes die Anden nicht bis zur Schneegrenze reichen und sehr vegetationsreich sind (klimatische Zone des Paramo), zeigen sie sich im zentralen Gebiet sehr steil, teilweise mit breiteren Tälern und hohen Bergen mit ewigem Schnee und Eis (Gletscher). Im mittleren Süden Perus (ab dem Breitengrad der Hauptstadt Lima) zeigt sich die Landschaft eher „hügelig“ zwischen 3.000 und 4.000 Metern, mit wenigen markanten schneebedeckten Bergmassiven über 5.000 Metern.
 
Ab diesem Breitengrad Richtung Süden treten ebenfalls Vulkankegel mit teilweise sporadischer, vulkanischer Aktivität auf (Ubinas), und die Andenkette verbreitert sich stark, mit Ausprägung von wenigen steilen Gebirgsketten und dazwischenliegenden hügeligen Hochebenen. Im Süden des Landes (in den Regionen Arequipa, Puno, Moquegua und Tacna) zeigt sich insbesondere eine gewisse Abflachung der Hochebene, es bildet sich der sogenannte Altiplano, der seine typische Ausprägung um den Titicacasee erhält.
 
Die mittlere Jahrestemperatur in 3.300 m Höhe liegt bei 11 °C. Mitunter sind in der eher niederschlagsarmen Region heftige Regenfälle von Oktober bis April zu erwarten. Größere Städte in dieser Region sind (eine Auswahl, von Norden nach Süden): Cajamarca, Huaraz, Cerro de Pasco, Huancayo, Ayacucho, Cuzco, Puno, Arequipa.
 
In der Nähe Cuzcos liegt auch die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu.
 
Selva
 
Östlich der Anden beginnt die Regenwaldregion („Selva“). Der Übergang ist dabei fließend, da es einen tropischen Bergwald gibt, in dem ein milderes Klima herrscht.
 
In der durch Tageszeitenklima bestimmten Region beträgt die Jahresmitteltemperatur ca. 26 °C und der Jahresniederschlag erreicht bis zu 3.800 mm. Dort entspringen auch weitere Quellflüsse des Amazonas, der durch das Amazonasbecken in Richtung Brasilien fließt.
 
Der peruanische Regenwald ist dicht und fast undurchdringlich. Die Flüsse, die von den Ketten der Anden in weiten Flussschlingen zum Amazonas strömen, sind die einzigen Verkehrsadern durch die weiten Waldgebiete.
 
Die einzigen größeren und auch für den Tourismus wichtigen Städte in dieser Region sind Iquitos und Puerto Maldonado. Iquitos ist von Lima aus nicht auf dem Landweg erreichbar, sondern nur mit dem Flugzeug oder dem Boot. Puerto Maldonado kann per Boot, Flugzeug (1 ½ h bis Lima; ½ h von Cuzco) und per LKW (24–60 h) von Cuzco erreicht werden. Weitere größere Städte in dieser Region sind (eine Auswahl, von Norden nach Süden) Tarapoto, Tingo María und Pucallpa. Bedeutend ist das größte Naturschutzgebiet Perus Pacaya-Samiria.
 

1.3 Gewässer

Wichtigste Flüsse in Peru sind der Amazonas und seine Quellflüsse Río Apurímac, Río Urubamba, Río Ucayali und Río Marañón, außerdem die Amazonas-Nebenflüsse Napo, Putumayo und Huallaga.
 
Die größten und wichtigsten Seen Perus sind der Titicaca-See und der Lago Junín zwischen den Andenketten.
 

1.4 Flora und Fauna

Die Flora Perus ist sehr abwechslungsreich und vielfältig. In den trockenen und sandigen Küstenebenen wachsen nur wenige Gräser und Sträucher. In den Regenwaldregionen findet man hingegen eine große Fülle an Pflanzen. Vertreter dieser Vegetationen sind unter anderem Kautschuk- und Mahagonibäume und Vanillepflanzen. Im Hochgebirge liegt auf Grund der natürlichen Bedingungen nur eine spärliche Pflanzenvielfalt vor. Hier wachsen hauptsächlich Trockenpflanzen (Xerophyten), wie etwa Kakteen und Mesquiten.
 
Perus „Nationalpflanze“ ist die Cantua (Cantua buxifolia), ein zwei bis drei Meter hoher Strauch mit langen, glockenförmigen Blüten aus der Familie der Sperrkrautgewächse, der in 1200 - 3800 Meter Höhe wächst.
 
Ebenso wie die Flora hat auch die Tierwelt Perus eine große Vielfalt zu bieten. In der Küstenebene und auf den Küsten vorgelagerten Inseln leben Möwen und Seeschwalben, Eidechsen, Skorpione, Robben und Pinguine. In den peruanischen Küstengewässern findet man unter anderem Sardinen, Hummer und Makrelen. Tiere der fruchtbareren Regionen im Osten sind beispielsweise Gürteltiere, Alligatoren, Jaguare, Pumas, Papageien und Flamingos. Das Nationaltier Perus, den roten Felsenhahn (Rupicola peruviana), findet man im Manu-Nationalpark.
 
Wesentlichen Anteil an der Erforschung der Pflanzenwelt Perus hatte der deutsche Biologe August Weberbauer.
 

1.5 Städte

ie größten Städte sind Lima (7.363.069 Einw.), Trujillo (861.044), Arequipa (860.000), Callao (824.329), Chiclayo (634.600) und Iquitos (400.000).
 

2 Bevölkerung

Peru ist neben Bolivien und Guatemala eines der drei Länder mit mehrheitlich indianischer Bevölkerung. 45 Prozent der Einwohner sind indianischer Abstammung, sie gehören überwiegend zu den Quechua (40 %) und Aymará (5 %) sprechenden Völkern. 37 % der Einwohner sind Mestizen, 15 % sind europäischer Abstammung und die übrigen 3 % sind teils afrikanischer, teils asiatischer Abstammung. In Oxapampa im Departement Pasco lebt seit dem 19. Jahrhundert eine assimilierte Minderheit deutschstämmiger Siedler.
 
Die durch Landflucht ausgelöste hohe Zuwanderung in die Hauptstadt, in der rund ein Drittel der Bevölkerung konzentriert ist, hat große soziale Probleme zur Folge: Ein erheblicher Teil vor allem der indigenen Bevölkerung in Lima lebt unterhalb bzw. am Rande der Armutsgrenze. Aufgrund von Gegensätzen in den ethnischen Kulturen und sozio-politische Disparitäten, kommt es zu einer ungenügenden Versorgung der Bevölkerung. Nahrungsmittelimporte und somit hohe Devisenausgaben folgen.
 
Rund zweieinhalb Millionen Peruaner leben aufgrund einer anhaltenden Emigration im Ausland, vor allem in den USA, Europa und Japan.
 

2.1 Religion

Aufgrund der Missionierung der Römisch-Katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert bekennen sich rund 93 % Peruaner zum Katholizismus. Durch Missionare aus Nordamerika und Europa gibt es 32'000 neuapostolische Peruaner,[2] zudem sind auch etwa 5 % der Bevölkerung protestantisch,[3] darunter Adventisten. Mormonen, etwa 100'000 Zeugen Jehovas[4] und Anhänger von Naturreligionen bilden den Rest.
 

3 Geschichte

3.1 Bis zur spanischen Eroberung

Peru ist ein Land mit Jahrtausende alten prä-inkaischen Kulturen. Die ersten Einwanderer kamen etwa 20.000 bis 10.000 v. Chr. in das heutige Peru. Etwa 4.000 v. Chr. begannen Ackerbau und Viehzucht.
 
Die früheste heute noch erkennbare Hochkultur war die der Chavín de Huántar, die von ungefähr 800 v. Chr. bis 300 v. Chr. existierte. Die Nazca-Kultur, heute vor allem durch die Nazca-Linien bekannt, entwickelte sich von ca. 200 v. Chr. bis und 600 n. Chr. in der Gegend um Nazca. Um den Titicacasee entwickelte sich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. An der Küste entstanden im Bewässerungsgebiet der Andenflüsse im ersten Jahrtausend n. Chr. differenzierte Kulturen wie die der Moche in der Region um Lambayeque. Vor dem Inkareich war Chan Chan als Hauptstadt der Chimú eine Großstadt mit entwickelter städtischer Kultur.
 
Das Reich der Inka entstand um 1200 und umspannte bis 1532 große Teile der heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile. Die auf den Hochebenen Perus gelegene Stadt Cuzco war die Hauptstadt des Inka-Reiches.
 

3.2 Spanische Eroberung im 16. Jahrhundert

Die Spanier eroberten ab 1532 dieses Land und gründeten für die spanische Krone das Vizekönigreich Peru, das auf seinem Höhepunkt vom heutigen Panama bis zum äußersten Süden des Kontinents reichte. Im 18. Jahrhundert wurde es aber durch die Ausgliederung der Vizekönigreiche Neugranada und La Plata verkleinert.
 

3.3 18. Jahrhundert

Im Jahr 1780 entwickelte sich aus Protesten gegen aufgezwungenen Warenkauf (reparto) eine Aufstandsbewegung, deren Führung der Indigene José Gabriel Condorcanqui übernahm. Unter Berufung auf seine Abstammung vom letzten Inka-Herrscher nannte er sich Tupac Amaru II. Sein Ziel war eine Republik, in der Weisse, Mestizen, Indigene und Schwarze gleichberechtigt zusammenleben sollten. Anfänglich wurde die Bewegung auch von städtischen Weissen und Priestern unterstützt, diese gingen zu den radikalen Zielen jedoch schnell auf Distanz. Der Aufstand wurde niedergeworfen, Condorcanqui, seine Frau und seine engsten Mitstreiter in Cusco öffentlich gefoltert und hingerichtet. Anschliessend beraubten die Spanier die indigene Aristokratie ihrer letzten Privilegien und verboten den Gebrauch indigener Sprachen und Symbole. Die Befreiung von der Kolonialherrschaft konnte deshalb nur von den Weissen (criollos) vorgenommen werden und kam von aussen.
 

3.4 Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert

1821 wurde das Land durch José de San Martín und Simón Bolívar befreit und erhielt am 28. Juli dieses Jahres seine Unabhängigkeit. Bolivar schaffte die Tributpflicht von Indigenen ab, deren Land wurde jedoch oft von Grossgrundbesitzern an sich gerissen. Rebellionen und Bürgerkriege verhinderten die Entwicklung eines modernen Staates.
 
Das heutige peruanische Nationalwappen wurde offiziell am 25. Februar 1825 durch Gesetz des Nationalkongresses festgesetzt. Die Zeichnung stammt vom Parlamentarier José Gregorio Paredes. 1854 wurde die Befreiung der schwarzen Sklaven verkündet.
 
1879 brach der Salpeterkrieg aus, weil sich Bolivien und Chile seit der Unabhängigkeitserklärungen beider Länder durch O'Higgins in Chile 1817 und Bolivar in Bolivien 1825 über die Region Antofagasta gestritten hatten. Peru besaß mehrere Guano- und Minenunternehmen im umstrittenen Gebiet, Bolivien bot Peru im Falle eines Bündnisses wirtschaftliche Privilegien in Antofagasta an. Außerdem sah Peru seine politische und wirtschaftliche Vormachtstellung, die das Land aus Kolonialzeit als ehemaliges Vizekönigreich Spaniens übernommen hatte, durch Chile im Südpazifik gefährdet. 1874 wurde mit Bolivien ein Geheimpakt gegen Chile geschlossen. Diese Allianz konnte jedoch den Sieg Chiles nicht verhindern. Bolivien zog sich 1880 nach mehreren verlorenen Schlachten aus dem Krieg zurück und verzichtete vollständig auf seinen Anspruch auf die Region Antofagasta. Chile war inzwischen nordwärts in die peruanische Region Tarapaca einmarschiert und bot Peru den Waffenstillstand und einen Friedensvertrag an. Peru weigerte sich jedoch, Tarapaca an Chile abzutreten. Chile startete in den folgenden Jahren einen Invasionskrieg, und marschierte 1881 nach der Zerstörung des peruanischen Heeres in die Hauptstadt Lima ein. Die offizielle Regierung wurde aufgelöst, und der chilenische General Patricio Lynch wurde als Gouverneur des Landes eingesetzt. Jedoch waren einige peruanische Generäle wie Miguel Iglesias und Andrés Avelino Cáceres entkommen und versuchten, aus der östlichen und nördlichen Sierra einen organisierten Guerillakrieg zu führen, mit eher zweifelhaftem Erfolg. Caceres schaffte es im Juli 1883 noch, eine konventionelle Division von 1500 Mann zu stellen, um einen letzten Befreiungsschlag anzustreben. Allerdings wurden die letzten Hoffnungen in der Schlacht von Huamachuco vom chilenischen Colonel Alejandro Gorostiaga zerstört, der Krieg war endgültig verloren. Im Vertrag von Ancón im Oktober 1883 wurde das Ende des Krieges besiegelt, Tarapaca und Tacna wurden an Chile abgetreten (Tacna wurde 1929 zurückgegeben), und das chilenische Heer zog sich aus Peru zurück. Grund für die Niederlage war auch das Fehlen eines funktionsfähigen Staatsapparats in Peru. Der Krieg erhöhte die Auslandsverschuldung, die durch Verkauf von Rohstoffkonzessionen und Land an ausländische Banken und Konzerne abgebaut wurde.
 

3.5 20. Jahrhundert

Am Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Bewegung des Indigenismus. Peruanische Intellektuelle wiesen auf die Gefahr der Vernachlässigung der indigenen Bevölkerung hin und forderten dazu auf, das indianische Erbe zum Bestandteil einer peruanischen Identität zu machen. Unter den Präsidenten Augusto B. Leguía (1919-1930) und Luis Miguel Sánchez Cerro (1930-1939) wurde das Land zwar modernisiert, aber autoritär geführt. Die Opposition wurde von zwei Personen angeführt: Zum einen von Víctor Raúl Haya de la Torre, der 1924 die APRA gründete. Diese organisierte ihre Anhänger auch ausserhalb des politischen Bereichs in Berufsverbänden und Abendschulen und schuf mit ihren "Volkshäusern" soziale Einrichtungen, womit es ihr gelang, ihre Organisation im ganzen Land zu verankern. Sie wollte Lateinamerikas Abhängigkeit von den USA durch Sozialreformen und Schaffung einer eigenen Mittelklasse überwinden. Zum anderen von dem Marxisten José Carlos Mariátegui, der indigene Elemente der gemeinschaftlichen Wirtschaft in eine sozialistische Gesellschaft integrieren wollte. Letzterer gab seit 1924 die Zeitschrift Amauta heraus, die als intellektuelles Forum für ganz Lateinamerika bedeutsam war. Nach einem Aufstandsversuch im Jahr 1932 liess Präsident Cerro in der Nähe der Stadt Trujillo etwa 1000 Anhänger der APRA vom Militär erschiessen. Militär und APRA standen sich seitdem in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber. Aussenpolitisch unterhielt Cerro gute Beziehungen zu Francos Spanien und dem nationalsozialistischen Deutschland. Sein Nachfolger Manuel Prado (1939-1945) brach mit dieser Politik. Peru unterstützte die Alliierten im Zweiten Weltkrieg mit Rohstofflieferungen. 1945 wurde der von der APRA unterstützte José Luis Bustamante y Rivero Präsident, der soziale Reformen und Hilfsprogramme für die städtischen Armen umsetzte. Er wurde nach einem apristischen Rebellionsversuch 1948 von General Manuel Odría gestürzt. Dieser verbot die APRA und andere linke Organisationen, verfolgte im wirtschaftlichen Bereich aber ein Programm der importsubstituierenden Industrialisierung. Diese beschränkte sich auf Lima und die Pazifikküste, sodass die Hochlandbevölkerung massiv dorthin abwanderte. Neue Parteien entstanden, so die bürgerliche Acción Popular Fernando Belaúnde Terrys, der als Sieger aus den 1963 abgehaltenen Präsidentschaftswahlen hervorging. Gleichzeitig entstand eine Protestbewegung der Bauern gegen US-amerikanische und einheimische Grossgrundbesitzer, die jedoch vom Militär gewaltsam zerschlagen wurde. Auf der 1953 gegründeten Militärhochschule konnten auch Kinder von Arbeitern und Bauern studieren und anschliessend eine Militärlaufbahn einschlagen. Unzufriedenheit unter diesen jüngeren Militärs mit der Belaúnde-Regierung, vor allem über die Kontrolle des Erdöls durch eine nordamerikanische Gesellschaft, führte 1968 zu einem neuen Staatsstreich. Eine Militärjunta unter Juan Velasco Alvarado übernahm die Regierung.
 
Diese versuchte, durch Boden- und Wirtschaftsreformen ein gemischtwirtschaftliches System zu etablieren. Zur Nationalisierung der Erdölvorkommen wurde die noch heute existierende Gesellschaft Petroperú gegründet, ausländische Unternehmen wurden teilweise enteignet, aber entschädigt und bei Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen sogar zu Investitionen ermutigt. Der Aufbau einer Grundstoffindustrie wurde vom Staat in die Hand genommen. Der Arbeitsschutz wurde verbessert, mit einer Landreform die Eigentumsverhältnisse auf dem Land radikal verändert. Der enteignete Grossgrundbesitz wurde in genossenschaftliches Eigentum überführt. Weil der Grossgrundbesitz im Hochland aber oft den Dorfgemeinschaften geraubt worden war, wurden die Genossenschaften dort nicht akzeptiert, sondern als Fortsetzung des Landraubs aufgefasst. Ziel der Militärs war ein Dritter Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Das Schulwesen wurde ausgebaut, das indigene Erbe wurde popularisiert, Ziel war die Entwicklung eines am Mestizentum orientierten gesellschaftlichen Bewusstseins. Quechua wurde zweite Amtssprache, damit war Peru ein Vorreiter in Südamerika. Aussenpolitisch engagierte sich Peru in der Bewegung der Blockfreien, was zu Spannungen mit den USA führte.
 
General Velasco wurde 1975 durch General Francisco Morales Bermúdez gestürzt, der wieder einen konservativeren politischen Kurs einschlug. 1980 übernahm der 1968 gestürzte Fernando Belaúnde Terry als gewählter Präsident erneut die Macht und übergab die verstaatlichten Unternehmen wieder in Privatbesitz.
 
In den 1980er-Jahren begann die linksgerichtete Guerilla-Organisation Sendero Luminoso („Leuchtender Pfad“) einen bewaffneten Kampf gegen die Regierung. Beide Seiten verübten grausame Massaker an der Zivilbevölkerung, um diese zu disziplinieren. Die Aktivität der Sendero Luminoso dauerte bis in die 1990er-Jahre. Die andere linke Guerilla des Landes, Movimiento Revolucionario Túpac Amaru, lehnte Gewalt gegen die Zivilbevölkerung ab.
 

4 Politik

Die Regierung ist repräsentativ, dezentralisiert und nach dem Prinzip der Gewaltenteilung aufgebaut. Zu den vorrangigen Interessen des Staates gehören die Verteidigung der staatlichen Souveränität, der Schutz der Bevölkerung vor Bedrohung ihrer Sicherheit sowie die Förderung des Allgemeinwohls. In der Realität jedoch bestehen trotz einiger außenwirtschaftlicher Erfolge gravierende politische, soziale und wirtschaftliche Probleme.
 

4.1 Politische Reform noch nicht gefestigt

Obwohl sich Peru seit 1980 als Präsidialrepublik bezeichnet, ist der Demokratisierungsprozess bis jetzt wenig gefestigt. So konnte die Internationale Förderung für Menschenrechte während der Wahlkampagnen im Jahr 2000 erhebliche Unregelmäßigkeiten feststellen. Zur Finanzierung der Wahlkampagnen wurden Steuergelder verwendet und auch das Militär war nicht nur als neutraler Beobachter vor Ort. Zudem ist die angestrebte Dezentralisierung und Regionalisierung des Landes bisher nicht über Ansätze hinweg gekommen. Die staatlichen Einkünfte fließen weiterhin nach Lima und werden von den dortigen staatlichen Organisationen den einzelnen Gemeinden zugeteilt. Von der angestrebten Dezentralisierung verspricht sich der Staat eine Entlastung der Zentralregierung und durch die regionale Unabhängigkeit einen positiven Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
 

4.2 Aufgabe des Präsidenten

Nach der Verfassung von 1993 wird alle fünf Jahre ein Staatspräsident vom Volk gewählt, der nicht wiedergewählt werden kann. Alejandro Toledo Manrique von der Partei Perú Posible war bis Juli 2006 der aktuelle Präsident der Republik Peru. Zu den weitreichenden Aufgabengebieten des Präsidenten gehören die Vertretung des Staates nach innen und außen, die Führung der allgemeinen Regierungspolitik, die Einberufung der Wahlen zum Amt des Präsidenten und des Kongresses sowie die Erfüllung und Wahrung der Verfassung und der Gesetze. Toledo konnte bisher die hohen Erwartungen der Bevölkerung nicht erfüllen. Es lassen sich noch keine messbaren Erfolge bei der Bekämpfung der gravierenden Arbeitslosigkeit und der Armut feststellen.
 

4.3 Wahlen 2001

Am 8. April 2001 wurden Präsidentschafts- und Kongresswahlen abgehalten. Alejandro Toledo, hartnäckiger Widersacher Alberto Fujimoris, gelang es, 36,51 % der Stimmen auf sich zu vereinigen, gefolgt überraschenderweise vom Ex-Präsidenten Alan García (25,78 %) und der Kandidatin der rechtsstehenden Christlichen Volkspartei PPC, Lourdes Flores Nano (24,30 %). Aus diesem Grunde wurde am 3. Juni 2001 eine Stichwahl zwischen Toledo und García abgehalten. In einem dramatischen Ausgang besiegte der aus armen Verhältnissen stammende Toledo seinen Kontrahenten García mit 6 Prozentpunkten Unterschied. Die Partei Toledos, Perú Posible, hat sich als eine politische Alternative etabliert. Im Kongress hat Perú Posible 45, die APRA 26, Unidad Nacional 17 und FIM 11 der 120 zur Verfügung stehenden Sitze erhalten. Der Wahlsieger hat die Unterstützung des FIM (11), der Volksaktion AP (3), SOMOS PERU (4), UPP (6) und Renacimiento Andino (1) erhalten, womit die Regierungspartei eine Mehrheit von 70 Sitzen im Kongress besitzt. Toledo musste auf die wachsende Kritik seiner Regierung mehrmals mit einer Kabinettumbildung reagieren (zuletzt im August 2005, nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Ferrero). Hervorzuheben sind die Benennungen von Kuczynski als Finanzminister (im 1. Regierungskabinett Toledos bereits Finanzminister) und von Carlos Ferrero als Premier, das Ausscheiden von Jaime Quijandra und Silva Ruete sowie die Ernennung von Fernando Olivera zum Außenminister, was den Rücktritt Ferreros auslöste.
 
Bei den Kommunal- und Regionalwahlen von November 2002 gelang es der APRA, die erste politische Kraft im Lande zu werden. In 12 der 25 Regionen und in 10 Großstädten des Landes stellt nun die APRA die politischen Spitze.
 

4.4 Wahlen 2006

Am 9. April 2006 fanden die Präsidentschaftswahlen statt. Dabei erhielt Ollanta Humala 30,9 Prozent der Stimmen. Ihm folgte mit 24,7 % der frühere Staatspräsident Alan García. Auf Platz 3 (nur knapp 1 % hinter García) lag die rechtskonservative Lourdes Flores Nano, die noch wenige Monaten zuvor als sichere Gewinnerin gehandelt worden war. Da keiner der Kandidaten über die notwendige absolute Mehrheit verfügte, kam es am 4. Juni 2006 zu einer Stichwahl zwischen Ollanta Humala und Alan Garcia. Dabei gewann Alan García mit 52,625 % der Stimmen. Ollanta Humala gewann zwar in der Mehrheit der Departamentos, García konnte jedoch insgesamt einen höheren Anteil der Bevölkerung für sich gewinnen. Vor allem in der Hauptstadt und in den Departamentos an der Küste, wo die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung besser ist, wurde García mit Mehrheit gewählt. Ollanta erhielt hingegen die Stimmen der ärmeren Teile des Landes in der Selva und der Sierra.
 
Im Parlament erhielt Humalas UPP 44 Sitze, Garcias APRA 35 Sitze. Das Mitte-Rechts-Bündnis Nationale Einheit (Unidad Nacional) von Lourdes erhielt 19 Mandate.
 

4.5 Machtgruppen im Land

Die sich aus den Großgrundbesitzern des Hochlands und der Küste rekrutierende peruanische Elite hat über Jahrhunderte als Oligarchie das Land regiert, erst durch die Agrarreform von 1969 unter General Juan Velasco Alvarado wurde ihr ihre Machtgrundlage entzogen. In den Jahren danach kamen neue Machtgruppen hinzu, die sich auf Industrie und Finanzaktivitäten konzentrierten, zu einem großen Teil europäischer Abstammung waren und vom Protektionismus des Staates lebten. Fujimoris Einstieg in die Politik und die konsequente Durchsetzung einer neoliberalen Wirtschaftspolitik auf südamerikanischem Boden führte zu einer Neustrukturierung des Machtblocks: Während manche Gruppen an Gewicht verloren, traten neue, wettbewerbsfähigere Gruppen auf. Heutzutage bestehen an die zehn ökonomische Gruppen, die einen starken Einfluss auf Wirtschaft und Politik ausüben.
 

5 Administrative Gliederung

Peru ist in 24 Departamentos, 195 Provinzen (Provincias) und 1.828 Bezirke (Distritos) gegliedert. Seit der Regionalisierung des Landes im Jahre 2002 sind die Departamentos Selbstverwaltungseinheiten mit direkt gewählten Organen. Die ersten landesweiten Regionalwahlen fanden im November 2002 statt. Geplant war auch die Gliederung des Landes in Regionen (Regiones). Bei einem Referendum am 30. Oktober 2005 sprachen sich 78 Prozent der Bevölkerung von 16 Departamentos gegen ihre Zusammenlegung zu fünf Regionen (Norte, Nor Centro Oriente, Ica-Huancavelica-Ayacucho, Cusco-Apurímac und Arequipa-Puno-Tacna) aus.
 

6 Infrastruktur

Die wichtigsten Verkehrswege für das Land sind die Panamericana und die Seewege nach Nordamerika, Ostasien und Europa.
 
Peru besitzt 3.462 km Eisenbahnstrecke, 72.900 km Straßen und 254 Flughäfen.
 
Durch die extrem großen Höhenunterschiede der Anden bestehen größere infrastrukturelle Probleme vor allem entlang der West-Ost-Achse. Dies zeigt sich am geringen Anteil der gepflasterten Autostraßen, der gerade einmal 9.331 km bzw. 13 % beträgt. Dadurch verstärkt sich der periphere Charakter der Selva-Region, die kaum besiedelt ist, was wiederum bedeutet, dass die Landbevölkerung in diesen Gebieten nicht von dem wirtschaftlichen Aufschwung der Küstenregionen profitiert.
 

7 Militär

Die peruanischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer (Ejército del Perú), Marine (Marina de Guerra del Perú) und Luftwaffe (Fuerza Aérea del Perú). Insgesamt sind die Streitkräfte rund 110.000 Mann stark.
 

8 Wirtschaft

8.1 Volkswirtschaft

Peru hat eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Dies hat dazu geführt, dass vor allem nordamerikanische Konzerne und europäische Firmen den Markt beherrschen. Teilweise ist der Zustand monopolartig. Erwähnt sei zum Beispiel die beherrschende Stellung spanischer Firmen im Telekommunikationsbereich..
 
Am 12. April 2006 hat Peru ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA unterzeichnet.
 
Das Land ist reich an Bodenschätzen, vor allem Gold und Kupfer, die durch internationale Konsortien ausgebeutet und exportiert werden. Zusätzlich spielen die Fischerei und Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Neben Zuckerrohr wird viel Kaffee ausgeführt. Diese Produkte werden vor allem in den bewohnten Gebieten im Westen angebaut, in denen nur durch künstliche Bewässerung Landwirtschaft betrieben werden kann. Die großen Gebiete der Selva werden hingegen kaum landwirtschaftlich genutzt. Dort wird größtenteils Subsistenzwirtschaft betrieben.
 
Die Industrie konzentriert sich auf die Küste und dort vor allem auf Lima. Die restlichen Gebiete sind, außer bei Bodenschätzen, untergeordnet.
 
Ökotourismus bietet sich an, da es viel unberührte Natur gibt, vor allem im Regenwald im Osten des Landes. Die Anden bieten Wanderungen bei Huaraz und Cuzco sowie Machu Picchu, eine der beliebtesten archäologischen Stätten Südamerikas. Auch der Titicacasee ist ein touristisches Highlight.
 
Das Land ist in einem dichten Straßennetz gut erschlossen, doch abseits der wichtigsten Verkehrsrouten sind die meisten Straßen nicht asphaltiert, rumplig und in der Regenzeit häufig unpassierbar. Auch die Gebirgslage und die großen Entfernungen können das Reisen auf dem Land beschwerlicher als in Europa machen.
 

8.2 Schattenwirtschaft

Perus informeller Sektor ist ausgeprägt, und ein wichtiger Bestandteil der Schattenwirtschaft ist der Kokastrauch. Seine Blätter dienen vor allem der indigenen Bevölkerung als Genuss- und Nahrungsergänzungsmittel, weil das Kauen der Kokablätter Hunger, Müdigkeit, Kälte und Höhenkrankheit verdrängt.
 
Die Anbaufläche dieser Pflanze beträgt ca. 121.000 ha. Nach den Angaben der nationalen Behörde zum Kampf gegen Drogen DEVIDA (Comisión Nacional para el Desarrollo y Vida sin Drogas) wurden im Jahr 2004 110.000 Tonnen Kokablätter in Peru geerntet. Damit liegt Peru mit einem Anteil von 30 % an der weltweiten Koka-Ernte (Stand 2005) auf dem zweiten Platz hinter Kolumbien mit 54 % und vor Bolivien mit 16 %. Ungefähr 85 % des Kokaanbaus sind für die illegale Produktion bestimmt. Die Erlöse aus dem illegalen Export übertreffen die des legalen bei weitem.
 

8.3 Wirtschaftskennzahlen

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real
in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Veränderung in % gg. Vj. -0,4 1,4 3,1 0,2 4,9 4,0 5,2 6,4 ~ 6 ~ 5
Entwicklung des BIP (nominal)
absolut (in Mrd. US$) je Einwohner (in Tsd. US$)
Jahr 2004 2005 2006 Jahr 2004 2005 2006
BIP in Mrd. US$ 70 79 89 BIP je Einw. (in Tsd. US$) 2,5 2,8 3,2
Entstehung und Verwendung des BIP (2005)
Entstehung des BIP (in %) Verwendung des BIP (in %)
Industrie 17 öffentlicher Verbrauch 9
Baugewerbe 5 privater Verbrauch 69
Handel 16 Bruttoanlageinvestitionen 19
Landwirtschaft 9
Bergbau 7
sonstige Dienstleistungen 46
Entwicklung der Inflationsrate Entwicklung des Haushaltssaldos
in % gegenüber dem Vorjahr in % des BIP
("minus" bedeutet Defizit im Staatshaushalt)
Jahr 2003 2004 2005 2006 Jahr 2003 2004 2005 2006
Inflationsrate 2,3 3,7 1,6 ~ 2,5 Haushaltssaldo -1,6 -1,1 -0,4 ~ -0,7
Haupthandelspartner (2005)
Ausfuhr (in %) nach Einfuhr (in %) von
USA 31 USA 18
VR China 11 VR China 9
Chile 7 Brasilien 8
Kanada 6 Ecuador 7
Schweiz 5 Kolumbien 6
Japan 4 Argentinien 6
Spanien 3 Chile 5
Niederlande 3 Venezuela 4
Produkte des Außenhandels (2005)
Ausfuhrgüter (Anteil in %) Einfuhrgüter (Anteil in %)
Bergbauprodukte 57 Rohstoffe und Halbfabrikate 55
Erdöl 9 Kapitalgüter 26
Fisch 10 Konsumgüter 19
Agrarerzeugnisse 8
Textilien 8
Entwicklung des Außenhandels
in Mrd. US$ und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %
2003 2004 2005 2006
Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$
(1.Hj.)
 % gg.Vj.
Einfuhr 8,3 11 9,8 19 12,5 28  ??  ??
Ausfuhr 9,0 18 12,5 40 17,1 36  ??  ??
Saldo 0,7 2,7 4,6  ??

9 Kultur

Das kulturelle Leben ist vornehmlich auf wenige große Städte konzentriert, vor allem auf die Hauptstadt Lima. Weite Bereiche der Kultur sind heute geprägt durch die importierte Kultur der spanischen Eroberer und der von ihnen repräsentierten Religion.
 

9.1 Religion

Viele der religiösen Traditionen aus präkolumbischer Zeit sind in Peru noch lebendig und werden gepflegt, vor allem auch in ländlichen Gebieten. Ein Großteil der Tieflandbewohner stammen aus Naturreligionen, durch die zunehmende Zivilisierung durch die Anwesenheit von Öl- und Gasfirmen werden sie unweigerlich in einen Zwiespalt zwischen ihrer alten Religion und dem "Segen" der Zivilisation getrieben.
 
Etwa 90 bis 95 % der Peruaner sind römisch-katholisch[11]. Dies ist eine Folge der Missionierung durch die spanischen Eroberer (teilweise zwangsweise) und nach der Unabhängigkeit durch Mission von Missionsgruppen aus Peru selbst, aus Deutschland, USA, Italien, usw. Die katholisch-christlichen Traditionen sind vermischt mit Ur-Traditionen aus vorchristlichen Epochen (Synkretismus), welches sich besonders bei religiösen Festen manifestiert.
 
Wie in vielen lateinamerikanische Ländern erleben auch in Peru seit einigen Jahrzehnten evangelikale und charismatische Kirchen und Glaubensgemeinschaften wie Siebenten-Tags-Adventisten, Assemblies of God, die Evangelikale Kirche von Peru, Zeugen Jehovas und Mormonen einen großen Zulauf, die – teilweise finanziell aus den USA unterstützt – aktiv und manchmal auch aggressiv um Mitglieder werben.
 

9.2 Kunst

Die Stadt Cusco, in der viele indianische Künstler lebten, war in der spanischen Kolonialzeit ein wichtiges Zentrum der religiösen Malerei für ganz Südamerika. Gold- und Silberschmiede arbeiteten dort und in Lima vor allem für den europäischen Markt. Die Maler kopierten zunächst europäische Werke. Sie entwickelten jedoch einen eigenen Stil, indem sie vor allem Heilige, die in Begleitung von Tieren dargestellt wurden, wie Johannes den Täufer mit dem Lamm oder St. Markus mit dem Löwen, mit Szenen aus dem Leben der Hirten des Andenhochlands kombinierten. Diese Bilder wurden von den Hirten bei wichtigen Anlässen (z. B. Schafschur) mitgeführt. Mit ähnlichen Motiven wurden auch Figuren aus Stein oder Gips hergestellt (retablos) und in kleinen Holzkästchen, den cajas de Sanmarcos, aufgestellt.
 
Ein anderer Schwerpunkt der peruanischen Volkskunst war die Kürbisschnitzerei. Sie erlebte im 19. Jahrhundert eine Blüte: Schmuckkästchen, Puder- und Zuckerdosen wurden mit Szenen aus dem städtischen Leben dekoriert. Zentrum der Herstellung von Schnitzereien und retablos war die Stadt Ayacucho. In ihrer Region wurden als Schutzsymbole kleine Kirchen aus Ton auf den Hausdächern angebracht. Daraus entwickelte sich, besonders im Ort La Quina, ein eigener keramischer Stil: Rote Töpferware wurde nicht glasiert und ausschliesslich mit weisser Farbe bemalt. Aus der präkolumbischen Zeit hielt sich die Herstellung kleiner Opfertiere aus Ton, der conopas, meist Lamas oder Alpakas, denen Alkohol oder Kokablätter in eine Vertiefung auf den Rücken gelegt wurde. Peru hat eine alte Tradition der Textilherstellung, meist in Heimarbeit. Zur Kolonialzeit dienten die Verzierungen und Muster auf den Kleidern und Wandbehängen auch als Priestern und Behörden nicht verständliche Geheimsprache. Nach dem Aufstand Tupac Amarus II. im Jahr 1781 wurden indianisch aussehende Kleidungs- und Gebrauchsgegenstände von den Spaniern verboten. Durch die Bewegung des Indigenismus wurden viele präkolumbische Kunstfertigkeiten seit Beginn des 20. Jahrhunderts neu belebt; später kam die touristische Nachfrage hinzu.
 
Auch zwei bekannte peruanische Maler der Gegenwart, Amilcar Salomón Zorilla und Florentino Laime Mantilla verwenden indianisch beeinflusste Motive. Die Volkskunst dient auch dem Ausdruck politischer Konflikte: Nicario Jiménez und andere Künstler schufen in den 1980er Jahren retablos, Skulpturen und Wandbehänge, in denen die von beiden Seiten verübte Gewalt des Krieges mit dem Sendero Luminoso dargestellt wurde, über die zu sprechen zu diesem Zeitpunkt lebensgefährlich sein konnte.
 

9.3 Literatur

Das vermutlich älteste Werk der peruanischen Literatur ist Ollantay, ein Drama, das von Inka in der Quechua-Sprache geschrieben wurde.
 
Ricardo Palma schuf im 19. Jahrhundert die Literaturgattung tradiciones, die eine Mischung aus Fiktion und Geschichte darstellt. Clorinda Matto de Turners Romane waren vor allem von der Kultur der Inka geprägt. Außergewöhnliche Werke schrieb der Lyriker César Vallejo im 20. Jahrhundert. Besonders bekannt wurde Vallejos Trilce, das erstmals 1922 erschien. Weitere bedeutende peruanische Autoren des 20. Jahrhunderts waren José María Arguedas, Julio Ramón Ribeyro, Manuel Scorza, Sergio Bambaren, Alfredo Bryce Echenique und Mario Vargas Llosa.
 

9.4 Musik

Musik ist ein wichtiger Bestandteil der peruanischen Kultur. Die Quena (auch Andenflöte genannt), die Panflöte (Zampoña oder Ziku), der Cajón und die klassische Gitarre sind weit verbreitet.
 
Das bekannteste Lied Perus ist El Cóndor Pasa des peruanischen Komponisten Daniel Alomía Robles (1913 komponiert), das durch zahlreiche Coverversionen, unter anderem von Simon and Garfunkel, international beliebt wurde. An der Nordküste Perus wird die Marinera getanzt. Neben traditionellen Musikgattungen wie die Musik der Gruppe Cantos del Pueblo ist Rockmusik seit den 50er-Jahren sehr populär. Líbido ist ein Beispiel für eine peruanische Pop/Rockband. Derzeit beliebte peruanische Metal/Grunge/Punk/Rockbands sind etwa Ni Voz Ni Voto, Por Hablar, Leuzemia, La Sarita. In Peru sehr weit verbreitete Musikrichtungen sind auch noch der Huayno und der Cumbia Andina, auch unter dem Namen Chicha bekannt.
 
Bekannte Musiker und Sänger sind beispielsweise Yma Sumac, Susana Baca, Chacalón, Chabuca Granda, Lucha Reyes, Cantos del Pueblo, Raúl García Zarate, Sonia Morales, Eva Ayllón, Zambo Cavero, Noséquién y Los Nosécuántos, Los Shapis und Agua Marina.
 

9.5 Film

In den 1920er und 1930er Jahren entstanden durch Regisseure wie Ricardo Villarán einige Stumm- und Schwarzweißfilme, die jedoch über die nationalen Grenzen hinaus meist kein Publikum fanden. Auch das restliche 20. Jahrhundert erhielten peruanische Filme nur wenig Beachtung.
 
In den frühen 1980er Jahren schlossen sich mehrere Filmemacherinnen und Filmemacher zur Grupo Chaski zusammen. Ihr Ziel war, mit sozialkritischen Dokumentar- und Spielfilmen die Realität des Landes zu schildern und eine Alternative zu kommerziellen Produktionen aus dem Ausland zu schaffen. Zu ihren auch international erfolgreichen Filmen gehören Gregorio (1985) über einen Jungen, der aus den Anden nach Lima kommt, und Juliana (1988) über ein Mädchen, das in Lima auf der Strasse lebt. Die Regisseurin Maria Barea arbeitete nach dem Zerfall der Gruppe in der Frauenfilmgruppe Warmi weiter. Die in den Niederlanden lebende Peruanerin Heddy Honigmann verfilmte in Metall und Melancholie 1993 das Leben von Limaer Taxifahrern und -fahrerinnen..
 
Perus Filmindustrie ist vergleichsweise klein. Während in den Vorjahren meist zwei Filme pro Jahr produziert wurden, stieg die Anzahl der Produktionen 2004 auf fünf und 2005 auf acht Filme.[13] Francisco José Lombardi gilt als der bedeutendste moderne Filmregisseur Perus. 1991 gewann er für sein Drama Der Himmel über Lima den Goya. Seine Literaturverfilmung No se lo digas a nadie war bei internationalen Filmfestivals erfolgreich. Ebenso Josue Mendez' Días de Santiago (2006).
 

9.6 Medien

Die wichtigen Tageszeitungen erscheinen sämtlich in Lima. Die älteste heute noch erscheinende ist El Comercio. Sie wurde 1839 gegründet und befindet sich seit über 100 Jahren im Besitz derselben Familie. Sie verfolgt eine bürgerlich-konservative, aber unabhängige Linie, so verteidigte sie z. B. die Arbeit der Kommission für Wahrheit und Versöhnung gegen Angriffe von Regierung und Armee. Der 1961 gegründete Expreso ist ein Boulevardblatt und unterstützte zunächst den liberalkonservativen Präsidenten Belaúnde, in den 1990er Jahren dann Fujimori. Die 1981 gegründete La República tendiert zum demokratisch linken Spektrum. Wichtig für die politische Meinungsbildung ist das Wochenmagazin Caretas, das Fujimori-kritisch berichtete und sich durch Aufdeckung vieler politischer Skandale einen Namen gemacht hat. Aufgrund ihres für viele Peruaner zu hohen Preises haben Zeitungen aber nur eine begrenzte Leserschaft.
 
Fernsehen ist im ganzen Land verbreitet und ausnahmslos privat. Es überwiegen anspruchslose Unterhaltungsimporte aus anderen lateinamerikanischen Ländern oder den USA. Ein Fernsehmoderator, Jaime Bayly, sorgte mit einem Buch über die fiktiven Erlebnisse eines Homosexuellen in Lima für viel öffentlichen Gesprächsstoff.
 
Neben landesweiten gibt es auch lokale Rundfunkstationen, die für Ereignisse und Debatten vor Ort oft eine zuverlässige Informationsquelle sind. Gesendet wird neben Spanisch auch in Quechua.
 
Obwohl nur wenige Peruaner einen eigenen Computer besitzen, sind Internetcafés im ganzen Land verbreitet und sehr preisgünstig. Für die Überwindung der Isolation abgelegener Landesteile spielt das Internet eine wichtige Rolle.
 

9.7 Sport

Neben dem Nationalsport Fußball ist auch Volleyball eine beliebte Sportart. Die Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen entfesselte in den 1980er Jahren mit ihren internationalen Erfolgen einen im machistischen Südamerika ungewöhnlichen Begeisterungssturm. 1988 gewann sie die olympische Silbermedaille. Ausserdem erwarb Peru mehrere Medaillen, darunter eine Goldmedaille, in olympischen Schiesswettbewerben.
 
Peru qualifizierte sich insgesamt viermal für die Fußballweltmeisterschaft und erreichte 1970 und 1978 das Viertelfinale. Beide Male war Teófilo Cubillas in der Mannschaft, der 1972 zum südamerikanischen Fußballer des Jahres gewählt wurde.
 

9.8 Kulinarisches

Die peruanische Küche gilt als ausgesprochen vielseitig. Die geografischen Unterschiede zwischen Küste, Hochland und Regenwald und die damit verbundenen Ernährungstraditionen der vorkolumbischen Bewohner Perus verbinden sich mit der zum Teil arabisch beeinflussten Küche der spanischen Eroberer. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts entstand durch chinesische Migranten eine spezielle peruanisch-chinesische Küche (Chifa). Durch schwarze Sklaven wurden auch afrikanische Elemente in die peruanische Küche eingebracht.
 
Typische Gerichte sind zum Beispiel:
  • Ceviche (Eine Art Geschnetzeltes aus frischem rohen Fisch oder Meeresfrüchten, seltener auch Fleisch, das in Limonensaft mariniert und mit ebenfalls sauer marinierten Zwiebeln serviert wird)
  • Anticucho (am Spieß gegrilltes Rinderherz)
  • Arroz con Pollo (Reis mit Huhn) sowie Arroz con Pato (Reis mit Ente)
  • Ají de gallina (Hühnerfleisch in einer leicht scharfen, cremigen Chili-Sauce)
  • Rocoto Relleno (sehr scharfer Paprika mit Rindfleisch gefüllt und Käse überbacken)
  • Estofado (ein Eintopf aus Fleisch, Kartoffeln, Mais und Möhren mit einer scharfen Käse-Paprika-Sauce)
  • Papa a la huancaina (Kartoffelstücke mit einer scharfen Käsesoße)
  • Carapulcra (Eintopf aus getrockneter Kartoffel und Fleisch)
  • Albondigas (Fleischbällchen)
  • Pachamanca (Quechua für „Erdtopf“, in Erdgruben zubereitetes Fleisch und Gemüse)
  • Chicharrón de Chancho (geröstetes Schweinefleisch mit einer dicken Speckschwarte)
  • Lomo saltado (mit Zwiebeln und Paprika gebratene Rindfleischstücke)
  • Chupe de Camarones (Suppe aus Garnelen, Kartoffeln und Gemüse)
  • Sopa a la Criolla (Landestypische Nudelsuppe mit Fleischeinlage)
  • Tacacho (Knödel aus Kochbanane und Speck)
  • Choclo con queso (gekochter Maiskolben mit Käse)
  • Cuy chactado (gebratenes Meerschweinchen)
Verwendete Zutaten sind Fisch und Meeresfrüchte, Fleisch (Hühner-, Rind-, Schweine-, auch Meerschweinchen (Cuy)), Reis und verschiedene Sorten Kartoffeln, Süßkartoffeln, Mais, Yuca, Kochbananen. Spezielle Gewürze sind Koriander, vor allem Korianderblätter, die häufig als "Culantro" bezeichnet werden, Safran, Kreuzkümmel (= Cumin) und Aji.
 
Das bekannteste alkoholhaltige Getränk Perus und gleichzeitig eine geteilte Tradition mit Chile ist der Pisco, ein Branntwein, welcher u. a. Bestandteil von Pisco Sour (Cocktail aus Limonensaft, aufgeschäumtem Eiweiß, mit einigen Tropfen Angostura und etwas Zimt) und Perú Libre (Longdrink aus Pisco und Cola). Weitere in Peru sehr beliebte Getränke sind die Chicha (eine Art Bier auf der Basis von Mais), Chicha Morada (alkoholfreies Getränk aus violettem Mais, gewürzt mit Zimt) und Inca Kola (knallgelbe Limonade).
 

9.9 Feiertage

Neben lokalen Erntedank- und Patronatstagen gibt es folgende offiziellen Feiertage:
1. Januar Neujahr
Februar/März Carneval
März/April Ostern (Gründonnerstag (Jueves Santo) bis Ostersonntag)
1. Mai Dia de los Trabajadores ( Tag der Arbeit)
Mai/Juni Dia del Corpus (Fronleichnam)
29. Juni St. Peter und Paul (El Día de San Pedro y San Pablo)
28. Juli Unabhängigkeitstag
29. Juli Nationalfeiertag
15. August Virgen de la Asunción (Mariä Himmelfahrt)
30. August Tag der Heiligen Rosa von Lima
8. Oktober Tag der Marine
9. Oktober Dia de la Dignidad Nacional (Tag der Nationalen Würde)
1./2. November Allerheiligen
8. Dezember Fest der Unbefleckten Empfängnis
25. Dezember Weihnachten
31. Dezember Noche de San Silvestre (Silvester)

10 Linktipp

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